Beim Drogengebrauch können Notfälle passieren. Safer Use hilft, diese unwahrscheinlicher zu machen. Allerdings können Drogennotfälle nie ganz ausgeschlossen werden. Auf dieser Seite findest du Infos und Tipps zu Notfall-Situationen, die im Zusammenhang mit Substanzgebrauch auftreten können.
Diese Informationen dienen als erste Orientierungshilfe für Notfälle. Sie ersetzen jedoch keine Schulung, in der du Erste Hilfe üben kannst.
Erste Hilfe wird immer nach Symptomen geleistet. Ob eine Person durch den Konsum von Drogen in eine Notfallsituation geraten ist, ist für die Erste Hilfe nicht entscheidend.
Im Club oder in der Bar kannst du immer das Personal oder die Awareness ansprechen, wenn jemand Hilfe braucht. In privaten Settings, zum Beispiel auf Chills, sind die Gäste auf gegenseitiges Helfen angewiesen.

Wichtig: Führe Personen, denen es nicht gut geht, niemals noch mehr Substanzen zu. Zusätzliche Substanzen führen grundsätzlich zu zusätzlicher Belastung für den Körper, auch wenn sie scheinbar entgegengesetzte Wirkungen haben. Wenn du einer überdosierten Person weitere Substanzen gibst, riskierst du im schlimmsten Fall die Verantwortung für eine fahrlässige Tötung.
Was tun im Notfall?
Wenn möglich: Bitte eine Person in der Nähe, dir zu helfen. Vielleicht gibt es auch Awareness oder Personal, das du um Hilfe bitten kannst.
Ist die Person bei Bewusstsein?
Falls Sie nicht wach ist: Kannst du sie wecken? Versuche, die Person zu wecken, indem du:
- sie deutlich ansprichst,
- sie fest an der Schulter greifst und schüttelst,
- und ggf. in den Nackenmuskel kneifst (Schmerzreiz).
Person ist wach (bei Bewusstsein)
- Halte die Person wach.
- Sprich mit der Person: Wie geht es dir? Brauchst du was?
A. Person reagiert angemessen
Weiß die Person, wer und wo sie ist? Ist die Person in der Realität anwesend?
- Schaffe eine sichere Umgebung für die Person, insofern möglich.
- Versuche, entsprechend der Situation Hilfe zu leisten oder zu organisieren.
B. Person ist orientierungslos
Fehlt der Person der Bezug zur Realität? (Psychotischer Zustand)
Es handelt sich möglicherweise um einen psychischen Notfall: Wenn die Person sich selbst und/oder andere gefährdet oder so verzweifelt ist, dass sie medizinische Hilfe benötigt.
Sichere Umgebung schaffen: Schaffe eine sichere, möglichst stressfreie Umgebung für die Person. Alles, was dazu beiträgt, dass sie sich sicherer, entspannter, weniger „beobachtet“ fühlt, hilft. Zum Beispiel kann die Anwesenheit von Freund*innen oder vertrauten Menschen beruhigend wirken. Wichtig ist, die Person mit einzubeziehen und Auswahlmöglichkeiten anzubieten – wenn jemand das Gefühl hat, in der Falle zu sitzen und keine Wahl zu haben, verschlimmert das seinen Zustand nur.
Verständnis zeigen: Höre der Person zu und bringe ihr Verständnis entgegen. Falls die Person bedrohliche Eindrücke äußert, die keinen Realitätsbezug haben: Argumentiere nicht konfrontativ dagegen („Das stimmt gar nicht“). Sage aber, dass du das nicht so wahrnimmst und keine Bedrohung erkennst. Drücke Verständnis dafür aus, dass diese Situation furchteinflößend und anstrengend sein muss.
Bezugspersonen suchen: Frage die Person, welche engen Bezugspersonen sie nach Hause begleiten könnten. Wenn möglich, lasse die Person von einer der Bezugspersonen abholen und heimbringen, damit sie runterkommen und ausschlafen kann. Bleibe bei der Person, bis die Bezugsperson da ist.
Notruf / Gefahr? Wenn die Person sehr verzweifelt ist oder Gefahr besteht, dass sie sich selbst oder andere verletzt: Bitte jemanden, die 112 zu rufen. (Im Club: Bitte eine andere Person, Personal/Awareness zu informieren.) Es kann sein, dass das Ängste auslösen oder verstärken kann. Bleibe bei der Person, bis Hilfe da ist.
Person ist nicht weckbar (bewusstlos)
1. Bitte eine andere Person, die 112 zu rufen.
(Im Club: Bitte eine andere Person, Personal/Awareness zu informieren)
2. Kontrolliere, ob die Person atmet:
- Halte deine Wange nah über Mund und Nase der Person.
- Richte dabei deinen Blick auf den Brust- und Bauchbereich der Person.
- Lege deine Hand auf den Brustkorb der Person.
A. Person atmet normal
- Lege die Person in die stabile Seitenlage.
- Bleibe bei der Person und beobachte die Atmung so lange, bis der Rettungsdienst da ist.
B. Person atmet nicht oder ungewöhnlich*
*mühsame und laute Atmung (Schnappatmung oder Schnarchen) / langsame Atmung (unter 10 Atemzüge pro Minute) / flache Atmung (keine Bewegung im Brustkorb, Atemzüge nur schwach fühlbar)
- Starte die Herz-Lungen-Wiederbelebung (30x Herzdruckmassage, 2x Beatmung). Du kannst dich dabei von der Rettungsstelle (112) telefonisch begleiten lassen. Hinweis: Eine durchgehende Herzdruckmassage reicht aus, wenn ihr die Person nicht beatmen könnt – z.B. wenn die betroffene Person erbrochen hat oder du dich stark ekelst.
- Bitte eine weitere Person, dich zu unterstützen, indem ihr euch abwechselt.
- Falls vorhanden: Nutzt einen Defibrillator.
- Macht so lange mit der Wiederbelebung weiter, bis der Rettungsdienst da ist.
112 rufen
Wichtig: Für eine bewusstlose Person ist es dringend erforderlich, die 112 zu rufen. Sobald eine Person bewusstlos ist, ist sie eine „Black Box“. Ohne medizinische Ausstattung kannst du nicht wissen was in ihrem Körper gerade passiert (z.B. Herzinfarkt oder Schlaganfall).
Wenn du die 112 rufst, reicht es, am Telefon den Zustand der Person zu beschreiben. Rettungskräften ist es egal, ob die Drogen, die konsumiert wurden, rechtlich erlaubt sind oder nicht. Sie sind da, um im medizinischen Notfall zu helfen. In der Regel wird die Polizei nur hinzugezogen, wenn die Person andere oder sich selbst gefährdet. Wenn du dennoch Sorge hast, dass die Polizei mitkommen könnte, kannst du die Rettungskräfte persönlich über den Drogenkonsum informieren, nachdem sie vor Ort angekommen sind.
Falls sich die Situation im Nachhinein doch nicht als Notfall entpuppt, hast du übrigens keine Konsequenzen für den Einsatz zu tragen.
Nach dem Notfall
Falscher Stoff?
Vermutest du, dass mit den Drogen, die du oder deine Freund*innen genommen haben, etwas nicht stimmt? Beim Drugchecking in Berlin kannst du deine Substanzen kostenfrei und anonym analysieren lassen und bekommst zudem ein Beratungsangebot.
Spiking?
Vermutest du, von Spiking oder sexueller Gewalt betroffen zu sein?
- In der Gewaltschutzambulanz kannst du deine Verletzungen kostenfrei und ohne Polizei-Anzeige rechtsmedizinisch untersuchen und dokumentieren lassen.
- Du kannst dir in spezialisierten Beratungsstellen Hilfe holen. Die Berater*innen hören dir zu und schauen mit dir gemeinsam, was du in deiner Situation tun kannst. LSBTI-Beratungsstellen zu Gewalt in Berlin:
Weitere Beratungsstellen bei (sexueller) Gewalt in Berlin
Infektionsrisiko?
Gab es vor oder während der Notfallsituation sexuellen Kontakt, bei dem eine HIV-Infektion wahrscheinlich ist?
Falls du vermutest, dass eine HIV-Übertragung stattgefunden haben könnte, kannst du dich mit der Post-Expositions-Prophylaxe (PEP) versorgen lassen. Das ist ein Notfallmedikament, mit dem du eine HIV-Infektion nach dem Sex verhindern kannst. Für die PEP brauchst du ein ärztliches Rezept. Die PEP wirkt innerhalb der ersten 72 Stunden nach dem Risikokontakt und wird über einen längeren Zeitraum täglich eingenommen. Je eher du sie nimmst, desto besser wirkt sie. Eine Übersicht über PEP-Stellen in Berlin findest du hier.
Mögliche Schwangerschaft?
Falls für dich das Risiko einer Schwangerschaft eine Rolle spielt, kannst du dich in der Apotheke mit der Pille danach versorgen. Die Pille danach ist ein Notfallmedikament, mit dem du eine Schwangerschaft verhindern kannst. Du bekommst sie ohne Rezept. Die Pille wirkt innerhalb der ersten 72 Stunden nach dem Sex. Je eher du sie nimmst, desto besser wirkt sie.
Drüber reden?
Du suchst jemanden, mit dem du über das, was passiert ist, reden kannst?
https://sidekicks.berlin/beratung-drogen-chemsex/
Weiterführendes
Diese Informationen sind eine erste Orientierung für den Notfall. Sie ersetzen keinen Erste-Hilfe-Kurs, in dem du praktisch üben kannst.
Weitere Informationen zu Erster Hilfe bei Drogennotfällen (z.B. Bad Trip, Krampfanfall, Hitzschlag,…) findest du hier:
